Mittwoch, 4. Oktober 2017

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Es gibt Zeiten, da ist dieses alte Sprichwort einfach die beste Beschreibung der eigenen Lage. Und so ging es mir in letzter Zeit: Längere Krankheit Ende Juli, danach Urlaub und danach prompt wochenlang wieder gekränkelt. Natürlich hat meine Form darunter stark gelitten. Mein letztes Rennen hatte ich Mitte Juli in Mittenwalde, wo ich zum ersten Mal überhaupt seit meinem Einstieg in die Jedermannszene ein Rennen aufgeben musste. Dort hatte ein, meiner Meinung nach, schlecht designter 100%iger Kopfsteinplasterkurs mein Rad ausgeknockt. Auch auf die Uckermärkische Meisterschaft, eines meiner Lieblingsrennen, das Mitte August stattfand, musste ich leider verzichten. In Folge des geringen Trainingsumfanges der letzten Monate habe ich dann auch ein paar Kilo zugelegt. Mein Rad hat im gleichen Zeitraum auch draufgepackt – denn ich habe die Zwangspause genutzt, um mein altes treues Canyon F10, in seiner Rolle als Racebike, durch ein Planet X EC-130e Aerorad zu ersetzen. Einige von euch haben es vielleicht auch schon auf Instagram gesehen.

 Mein altehrwürdiges 2005er Canyon F10

 Mein neues Baby ... ein Planet X EC-130e

Natürlich wollte ich diese Saison zumindest noch ein Rennen fahren und nach Möglichkeit nach einmal aufs Podium springen. Selbstredend kann man ein neues Racebike auch am besten auf der Rennstrecke einweihen. Dafür boten sich die Ullmax Radsporttage ideal an. Diese finden jedes Jahr an einem Septemberwochenende in der Nähe von Greifswald statt. Am Samstag werden Zeitfahren veranstaltet und am Sonntag Kriterien, bzw. Rundstreckenrennen. Am Samstagabend gibt es außerdem noch eine kreative Rennveranstaltung. Mittlerweile treten hier Lizenzfahrer, Fixed Gear und Hobbyfahrer in ihren jeweiligen Klassen an. Persönlich finde ich es gut, dass es nicht die üblichen Jedermannrennen gibt. Die Unterteilung in Hobby- und Lizenzrennen ist viel fairer und inklusiver – können hier Anfänger und  Gelegenheitsfahrer doch viel schneller Anschluss finden. Außerdem vermeidet man die übliche Dominanz durch Pseudo-Profis und Aufstiegsverweigerer, die mal so gar nichts mehr mit Hobby und "Jedermann" zu tun haben. Klasse finde ich besonders, dass auch unsere Fixiefreunden auf ihre Kosten kommen. Wie es mir und meinen Freunden letztes Jahr bei diesem Rennen ergangen ist, könnt ihr hier nachlesen.
Unter Freunden
Leider musste dieses Mal letztlich auf einen Start beim Zeitfahren verzichten. Ich hatte gar keine andere Wahl, da mein Infekt einfach noch nicht auskuriert war und mir das Thermometer noch am Freitagmorgen eine Körpertemperatur von 38,2 Grad bescheinigte. Zwar war am Abend alles im grünen Bereich, aber ich habe lieber Vorsicht walten lassen – wir alle kennen die Gefahr einer Herzmuskelentzündung.
Am Sonntagmorgen ging es mir auch nicht wirklich perfekt, mir war leicht übel und ich hatte einfach keinen Hunger. Hunger habe ich eigentlich auch nie am Morgen eines Renntages. Naja, das Frühstück konnte ich dann auch nicht für mich behalten uns es endete dann im Klo. So war dann der einzige Sprit ein wenig Kürbissuppe, ein trockener Toast, eine Menge gesüßter Pfefferminztee und das wohlschmeckende Preracegel.


Los geht's!

Erstaunlicherweise fand ich mich dann doch pünktlich an der Startlinie wieder. Wie eigentlich immer hier im Nordosten war das Starterfeld recht überschaubar – schließlich ist Mecklenburg Vorpommern das am dünnsten besiedelte Bundesland. Dennoch bedeutet das keinesfalls, dass hier langsam gefahren wird. Im Gegenteil ... als Fischkopf, der stets alleine gegen den Wind kämpft oder an der Windkante segelt, entwickelt man irgendwann eine recht ansehnliche Tempohärte. Auch trat die HSG Uni Greifswald wie eh und je in erdrückender Übermacht an – keine Überraschung, schließlich sind sie ja der Ausrichter. Der Rest des Starterfeldes bestand aus Einzelstartern. Selbstredend waren auch die drei Erstplatzierten des Zeitfahrens vom Samstag am Start (Andreas Wolframm, Erik "Ete" Gutglück, Dirk Holz) – schließlich gab es ja auch eine Omniumwertung zu gewinnen.

Die blaue Übermacht in Aktion!

Kaum war der Startschuss gefallen ging dann auch schon die Post ab. Dirk probierte sich sofort von vorne abzusetzen, wobei ich mich an seinem Hinterrad festgebissen hatte. Allerdings roch die HSG den Braten und so wurde diese erste Attacke schnell neutralisiert. In der Folge ging es dann hin und her. Immer wieder kam es zu Tempoverschärfungen, aber dann zu den unausweichlichen Kontern. Schließlich vereinbarte ich mit Ete eine weitere Attacke und so trat ich erneut auf der Gegengrade an. Augenblicklich sprang Dirk dazu und übernahm dankenswerterweise die Führung – schließlich ging meine Herzfrequenz mit über 200 Schlägen erneut durch die Decke. Der Schmerz und die krassen Werte, die hier über meinen Garmin flimmerten, waren ein kleines Déjà-vu an ein Kriterium 2016 in Teltow.  Nun gesellte sich noch Mark Albrecht zu unserem Trio und die Fluchtgruppe stand. Beinahe wäre die Euphorie zu früh gewesen, aber eine neuerliche Tempoverschärfung von Dirk brachte uns einen knappen Vorsprung.

Gruppe steht!

Der Abstand wuchs aber nicht wirklich nennenswert an, was auch daran lag, dass unsere Gruppe nicht wirklich gut harmonierte. Dirk hatte einfach eine exzellente Form und leistete ordentlich Führungsarbeit. Er hatte ja auch schon ganz schnell gezeigt, wer heute die Hosen an hat. Natürlich bin ich in meinem üblichen Stil ans Maximum gegangen und habe ordentlich gepusht, im Rahmen des an diesem Tage möglichen. Ete hielt sich allerdings etwas zurück, wollte er taktisch clever doch, dass Dirk sich verausgabt und sich so die Möglichkeit für den Sieg in der Omniumswertung erhalten. Außerdem waren seine Jungs noch in voller Stärke in der Verfolgergruppe vertreten, womit er auch mit einem erneuten Zusammenschluss hätte leben können. Leider ließ auch Mark die eine oder andere Führung aus. Dies zusammen regte Dirk und insbesondere mich dann etwas auf und ich konnte nicht ganz an mich halten. Mein Gemeckere verfehlte zum Glück auch seine Wirkung nicht und in gemeinsamer Arbeit konnten wir dann auch auch zu viert den Vorsprung wieder ausbauen. Allerdings riss recht schnell der alte Trott wieder ein und Dirk und ich leisteten erneut den Löwenanteil der Führungsarbeit. Dirk hatte jetzt offensichtlich die Faxen dicke und griff an. Mit lieber Not konnte ich mich an sein Hinterrad klammern und auch Ete schaffte den Sprung. Nun waren wir zu dritt und zumindest war das Podium gefühlt schon sicher. Mark wehrte sich tapfer wurde aber zwei Runden später von der Verfolgergruppe geschluckt.

Es wird attackiert.

Hinten wurde aber keineswegs lockergelassen. So war es dann auch wenig verwunderlich, dass unserer inzwischen doch entspannter Vorsprung schon wieder zusammenschrumpfte. Das lag erneut am Rumtaktieren, je näher wir der letzten Runde kamen. Ete wollte unbedingt gewinnen und ließ dementsprechend die eine oder andere Führung aus, um Körner für den Schlussspurt zu sparen. Durchaus nachvollziehbar, wirkte Dirk doch übermächtig. Aber auch er spielte das gefährliche Spiel der wechselseitigen Attacken und des Tempoverschleppens mit. In der vorletzten Runde wies ich meine geschätzten Kollegen dann mehr oder weniger dezent auf die schnell näher kommenden Verfolger hin.

Bloß nicht noch auf der Zielgrade eingeholt werden – es wäre nicht das erste Mal...

So fuhren wir die letzten beiden Runden wieder ordentlich und konnten uns die anderen knapp vom Leib halten. Ungünstigerweise bog ich als erster auf die Zielgrade ein, musste also von vorne spurten. Die beiden anderen zogen auch prompt vorbei. Fairerweise hätte ich aber Dirk auch gar nicht abspurten wollen – denn er hatte die Gruppe maßgeblich ermöglicht und den Sieg so mehr als verdient. Ete wollte es aber wissen und hatte auch noch die Körner dazu, rutschte dann aber kurz vor dem Zielstrich aus der Pedale. Eventuell hätte ich da noch vorbeiziehen können, wollte aber nicht das Risiko eines unnötigen Sturzes eingehen.

Eine eindeutige Entscheidung.

Somit musste ich mich am Ende mit einem dritten Platz begnügen. Ich hatte also allen Widrigkeiten zum Trotz das Minimalziel Podium erreicht. Dennoch war ich etwas enttäuscht, hatte ich doch die letzten beiden Jahre das Rundstreckenrennen gewonnen und hätte sehr gerne einen Hattrick gelandet. Eventuell wäre auch noch ein zweiter Platz drin gewesen, wäre die Führungsarbeit gerechter verteilt gewesen. Der verdiente Sieg wäre Dirk aber mit Sicherheit dieses Mal nicht zu nehmen gewesen. Und wie heißt es so schön: "Hätte, hätte, Fahrradkette!" So konnten wir dann gemeinsam zu dritt eine gelungene Flucht auf dem Podium feiern. Wobei Ete und Dirk auch gleich stehenbleiben konnten für Platz eins und zwei der Omniumswertung.

Brothers ins arms.

Interessant ist im Nachhinein auch die nüchterne Betrachtung der Zahlen: Wenn man das Rennen mit dem letztjährigen auf Strava vergleicht, sieht man, dass ich letztes Jahr beinahe 40 Watt im Schnitt mehr leisten konnte. Trotzdem war ich 2016 danach nicht  annähernd so erschöpft wie dieses Jahr. Das einzige Rennen mit einer subjektiv ähnlichen Anstrengung war das Kriterium in Teltow 2016 bei 30 Grad im Schatten, welches bezeichnenderweise dann auch den gleichen Sufferscore aufweist. Dort konnte ich aber  trotz zweier Haarnadelkurven (genauer gesagt einer Wende und einem Kreisel) , die die  Durchschnittsleistung erheblich drückten, dennoch 20 Watt mehr leisten. So bin ich voller Zuversicht, dass ich nächstes Jahr bei besseren Rahmenbedingungen wieder mit um den Sieg kämpfen werde – sowohl im Rundstreckenrennen, als auch im Omnium.

Rundstreckenrennen Ullmax Radsporttage 2016

Rundstreckenrennen 2017

Rennen Teltow – Maximalpuls 207, Durchschnitt 192!
Radsport ist halt kein Fußball ;)

Mein besonderer Dank gilt natürlich wieder einmal der HSG Uni Greifswald, die jedes Jahr dieses tolle Event überhaupt erst ermöglicht. Beste Grüße auch an all die anderen Fahrer und meine Fluchtgenossen – es hat mir richtig Spaß gemacht und ich hoffe euch alle das nächste Mal wieder hier zu treffen :)





Samstag, 10. Dezember 2016

Going Cross: Die Jagd

Für alles gibt ein erstes Mal. Da ich nun seit einiger Zeit eine Actioncam besitze, wollte ich euch einen Einblick in mein Training gewähren. Alle Videoaufnahmen  in dem Video habe ich mit meiner neuen GoPro Hero 5 black aufgenommen, die Fotos hingegen habe ich zumeist mit einem iPhone 5 geschossen. Für den Schnitt habe ich auf Apples iMovie Program zurückgegriffen. Ich hoffe euch gefällt mein allererstes Video überhaupt. Nun aber genug palavert – viel Spaß beim Anschauen!

Dienstag, 22. November 2016

Going Cross: Mein Canyon Inflite

Seit ziemlich genau einem Jahr fahre ich nun dieses gute Stück, das Canyon Inflite 9.0. Dann wäre es  doch an der Zeit meine Erfahrungen mit euch zu teilen. 



In meiner Jungendzeit gab es in der Offseason stets nur monotones Straßentraining am Wochenende, Krafttraining und stupides Rollentraining unter der Woche. Mit etwas Glück ging es ab und zu  auf die Bahn und man hatte Angst in Frankfurt Oder die alte Steilwand herunterzurutschen. Nun bin ich aber seit dem letzten Jahr professioneller Hobbyfahrer und dementsprechend konnte ich den letzten Winter nicht einfach faulenzen, wie die Jahre zuvor. Ich bin zwar auch ein akzeptabler Läufer, kann mich aber eigentlich nicht dazu motivieren – insbesondere nach der traumatischen Erfahrung, von meinem Vater und unserem Hund im Training abgezogen worden zu sein. Viele meiner Freunde fahren im Winter Mountain Bike oder Cyclocross und so stand mein Entschluss fest, mir auch einen Crosser zuzulegen. Da ich außerdem in Greifswald nahe der Küste wohne, mit einem riesigen abwechslungsreichen Wald vor der Haustür, war auch ich besonders motiviert die Umgebung abseits der Straßen zu erkunden.

Für mich als totalen Cyclocrossnoob waren die Anforderungen an meinen ersten Crosser dennoch hoch. Er sollte extrem robust sein, um das strenge Winterwetter hier im hohen Norden mit der salzhaltigen Luft gut wegstecken zu können und nebenbei die unvermeidlichen Anfängerstürze zu überleben. Daher war eloxiertes Aluminium das Rahmenmaterial der Wahl. Für mich als Materialfetischisten musste es natürlich eine 11fach Schaltgruppe mit hydraulischen Scheibenbremsen sein. Tubelessready Laufräder und hochwertige Anbauteile standen auch auf meiner Wunschliste. Mein Budget hatte für all dies eine Höchstgrenze von 2000€. Zur Auswahl standen hier für mich das CUBE Cross Race SL, das Planet-X XLS (Rival mechanical) und das Canyon Inflite 9.0.

Schlussendlich habe ich mich dann für das Canyon entschieden. Es war nicht nur das leichteste Rad, sondern hatte vor allem meiner Meinung nach das robusteste Rahmenset – eloxiertes Aluminium vs. lackiertes Aluminum, bzw. Carbon. Außerdem war das Inflite mit einer auf Komfort orientierten Vollcarbongabel ausgestattet. Zudem hatte es auch eine hochwertige Ausstattung, vor allem in Bezug auf Laufräder und Anbauteile. Den Ausschlag gab schließlich auch die Farbe – schwarz mit roten Akzenten entsprach doch genau meinem Style!
Nach der Bestellung folgte allerdings erst einmal Ernüchterung. Canyon hatte im letzten Herbst massive Probleme beim Versand ihrer Bikes. Dies lag wohl an der Umstellung ihres Computersystems und führte zu z.T. massiven Verzögerungen in der Auslieferung. Hierbei erhielt ich dann mehrere E-Mails mit unterschiedlichen Versandterminen. Auch ihre Hotline war zwischenzeitlich kaum zu erreichen. Allerdings waren die Mitarbeiter sowohl im Servicechat als auch auf Facebook sehr kompetent und hilfsbereit. Dementsprechend hatte ich auch wenig Verständnis für den teilweisen rüpelhaften Ton einiger anderer Facebooknutzer auf ihrer Seite, der sich schon fast zu einem Shitstorm ausweitete. Nach einigem Warten stand dann eines schönen Dezembermorgens auf einmal völlig überraschend der Postbote mit einem Canyonkarton  vor der Tür. Ganz schnell war das Rad dann ausgepackt und zusammengebaut. Die Freude war riesig, schließlich sah das Inflite einfach nur umwerfend aus.



Es passte auch wie angegossen. Mein Inflite hatte ich in Größe S geordert und es entspricht damit auch der Rahmengröße, die ich bei meinem Straßenrad fahre. Schon die ersten Fahrten haben mich begeistert. Das Inflite ist super agil und man kann damit perfekt die Trails im Wald langheizen. Erstaunlicherweise ist es sowohl steif im Antritt und lässt sich richtig präzise lenken, aber ist dennoch  sehr komfortabel. Das ist insofern ganz praktisch, als das man hier keine Trainingsrunde drehen kann, ohne auf holperigen LPG-Plattenwegen aus DDR Zeiten zu landen, von Kopfsteinpflasterstraßen ganz zu schweigen. Die 11fach Schaltung funktioniert schnörkellos. Canyon hat auch die Schaltung und Bremsen vorbildlich verkabelt, mit entsprechenden Rahmenschützern. Nur an der Hydraulikleitung der hinteren Bremse habe ich hinten einen Jagwire Rahmenschützer und vorne einen Schutzsticker am Oberrohr nachgerüstet – damit Dreck und Sand nicht über die Zeit das Eloxal wegschmirgeln. Für mich ist das Inflite mein erstes Rad mit Scheibenbremsen überhaupt – nach über einem Jahrzehnt Radsport. Die hydraulischen Scheibenbremsen sind einfach genial. Sie sind von der Bremskraft her brachial und lassen sich kinderleicht dosieren. Natürlich muss man sie erst ordentlich einbremsen. Die Metallbeläge von Shimano neigen zugegebenerweise etwas zum Quietschen, wenn es richtig nass und dreckig ist – bzw. wenn man nach der letzten Schlammschlacht sein Rad nicht geputzt hat. Diese Tatsache hat allerdings nichts mit dem Inflite an sich zu tun, sondern ist dem Belag geschuldet. Wen es stört, der kann sich ja organische Beläge zulegen. Das einzige, das mich an dem Rad gestört hat, war die Vorbaulänge. Normalerweise kommt das Inflite in der Größe S mit einem 90mm langen Vorbau. Für meinen Geschmack ist das etwas kurz, allerdings sitze ich gerne etwas gestreckter auf dem Rad und für andere mag das durchaus perfekt sein. Canyon verwendet nun aber das etwas außergewöhnliche Gabelmaß von 1 1/4 Zoll (vs. 1 1/8). Das ermöglicht zwar technisch hervorragende Gabeln, aber schränkt die Auswahl an Vorbauten stark ein. In Deutschland gibt es de facto nur die Vorbauten von Canyon selbst, den Ritchey 4 Axis und ein neues Modell von Zipp. Ich selber habe mir dann für 20€ auf Ebay ein 110mm  Exemplar von Ritchey ersteigert und dann war meine Position auf dem Inflite perfekt!



Ich habe den ganzen letzten Winter über auf dem Inflite trainiert. Dabei musste es einiges aushalten – Dauerregen, Schlamm, Schnee und Eis. Nicht immer habe ich es dabei top gepflegt und es stand auch schon mal eine Weile verdreckt rum oder wurde ungeputzt einfach nochmal gefahren. All dies hat das Rad nicht sonderlich beeindruckt und selbst mein halbes Dutzend Anfängercrashs hat es überlebt. Hier ist auch noch ein Tipp: Bestellt euch am besten gleich 2-3 Ersatzschaltaugen mit, insbesondere wenn ihr wie ich immer auf die rechte Seite stürzt.
Eigentlich sollte das Rad dann im letzten Frühjahr eine wohlverdiente Sommerpause genießen können. Aber daraus wurde nichts, da meine Freundin nun auch mit dem sportlichen Radfahren angefangen hatte und wir daher diesen Sommer ausgedehnte Touren an der Ostseeküste und auf dem Berlin-Usedom Radweg zurückgelegt haben. Zudem habe ich das Inflite zum Commuten nach Usedom genutzt. All dies hat es mit Bravour bestanden und so steht nach einem Jahr die stolze Distanz von 5000km auf dem Tacho. Folgende Teile habe ich dabei verschlissen: einen Satz Reifen, eine Kette, Kugellager der Hinterradnabe und einen Satz Bremsbeläge. Der Rest des Bikes ist in einem 1A Zustand.



Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Inflite 9.0. Nach einem Jahr hat es sich mehr als einfach nur bewährt und es ist für mich immer noch eine geniale Spaßmaschine. Das Modell ist zur Zeit zum Preis von 1999€ erhältlich und ich würde es jederzeit wieder kaufen.

Bis zum nächsten Mal! #InfliteRocks

Samstag, 5. November 2016

Ronnys Giant Defy #1

Viele von uns kennen Ronny Velox oder zumindest seine Videos. Einige glauben sogar, dass ihm der gleichnamige Radsportverein (Velox Berlin e.V) gehört. Natürlich entspricht letzteres nicht der Realität, aber seine Filme und  kurzen Videoclips haben diese tolle Truppe erst so richtig bekannt gemacht. Wenn man ihm auf den diversen Social Media Kanälen folgt, erhält man hautnahen Einblick in die vielen Rennen und Events der deutschen Jedermannszene.

Ronny wie wir ihn kennen!

Zusammen mit Simon Geschke bei den Vattenfall Cyclassic 2015

Ronny ist ein großer Fan von Bikes der Marke Giant. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Kamerawagen bei den meisten Rennen hier im wunderschönen Osten Deutschlands sein Giant Defy Composite 2 (2013) ist. Dafür wird eine Actioncam unter den Sattel und eine an den Lenker geschraubt. Nun ist es nicht verwunderlich, dass nach drei Jahren intensiver Benutzung das Defy ganz schön mitgenommen ist. Die meisten unter uns, die intensiv Radsport betreiben, tauschen ihre Bikes auch in diesem Rhythmus aus. Trotz der bissigen Kommentare unserer Freunde, sich doch mal ein neues Rad zu gönnen, haben Ronny und ich uns aber für einen anderen Weg entschieden.

Das Defy im Originalzustand

Wir wollen das Rahmenset behalten und nach und nach alle Komponenten austauschen – so steht am Ende quasi ein neues Rad da. Der Hauptgrund für unsere Entscheidung ist, dass der Rahmen in einem sehr guten Zustand ist und durchaus auch sehr hochwertig ist – schon beim Neurad steckte der Löwenanteil des Wertes im Rahmenset. Bei meinem ersten eigenen Rennrad, das Canyon F10 Ultimate, war es ähnlich. Hier macht es kaum Sinn, ein komplett neues Bike mit Carbonrahmen zu kaufen, das dann wieder nur mit qualitativ mittelmäßigen Komponenten ausgestattet ist – zumindest in der Preisspanne von 1500€-1800€. Stattdessen wollen wir das Geld in hochwertige Komponenten, Anbauteile und einen coolen Laufradsatz stecken. So bekommt man für weniger Geld einen einzigartigen Highendrenner. Neben dem Geldbeutel schont das auch die Umwelt.

Das Defy mit einem getunten Zipp LRS

Ronnys Defy ist mit einer kompletten SRAM Apex 10 fach ausgestattet. Hier wollen wir SRAM 10fach treu bleiben und einfach auf RED, bzw. Force, umrüsten – natürlich mit der ein oder anderen Tuningmaßnahme. Da zur Zeit der 11fach Hype umgeht und es vielen nach einer elektronischen Schaltung gelüstet, werden einem diese mechanischen 10fach Komponenten hinterhergeworfen. Einen neuen Fizik Arione Sattel hatte Ronny schon rumliegen und ich konnte ein Paar Look Keo Sprint Pedale beisteuern, die seine uralten Look Delta ersetzten. Kette und Kassette haben wir auch schon erneuert und hier auf Ultegra 6700 aufgerüstet. Zudem wurden ein paar günstige CNC-gefräste Kettenblätter von Procraft und Kettenblattschrauben von KCNC verbaut. Zu guter Letzt hat das Defy auch noch ein funkelnagelneues SRAM Force 10fach Schaltwerk bekommen. All dies ist im laufenden Betrieb erfolgt, schließlich wollten wir nicht mitten in der Saison ein halbfertiges Rennrad rumstehen lassen. Ronny hat einige Impressionen im folgenden Video festgehalten.


Über den Winter wollen wir das Bike jetzt fertig bauen. Im zweiten Teil könnt ihr euch dann auf den detaillierten Aufbau freuen – komplette Teilleiste, Aufbauprozess und Materialtest. Vielleicht möchte ja sogar jemand Ronny sponsern die nächste Saison. Insbesondere über einen coolen Aerolaufradsatz würden er sich sehr freuen. Die maximale Publicity auf Ronny Social Media Kanälen ist jedem Sponsor gewiss.

Stay tuned ;)






Dienstag, 1. November 2016

DIY: K-Edge trifft Aerolenker

In Zeiten von "Aero is Everything" und Strava Trollen fahren immer mehr von uns die Kombination aus Carbonaerolenker und Garmin. Hier stellt sich die Frage der optimalen Befestigung des geliebten Gerätes. Viele unter uns entscheiden sich hier für eine Aerohalterung a la K-Edge. Die Vorteile gegenüber der billigen Standardhalterung aus Plastik, die am Vorbau oder Lenker befestigt wird, liegen auf der Hand. Der Garmin sitzt mittig vor dem Vorbau – dies ist aerodynamisch von Vorteil, da so die Frontfläche des Rades nicht erhöht wird. Ferner wird der Computer wesentlich strammer geklemmt, sodass er nicht gleich, z.B. auf Kopfsteinpflaster, durch die Gegend fliegt. Darüber hinaus muss man den Blick nicht so tief senken um den Garmin zu lesen und man ist besser in der Lage im Augenwinkel die Straße zu beobachten. Schlussendlich sieht die K-Edge Variante auch am besten aus, da man so ein cleanes modernes Cockpit erhält.


Dementsprechend gab es kein langes Nachdenken, als ich mir meinen ersten Garmin kaufte. Es musste die K-Edge Halterung im stylischen roten Eloxalkleid sein. Schnell riss ich die Verpackung auf, um die Halterung an meinen Zipp Vuka Sprint Aerolenker, den Urvater aller Aerolenker, zu schrauben. Aber Pustekuchen! Das elegante Tragflächenprofil geht mit einem ovalisierten Rohrquerschnitt nahe dem Vorbau einher. Dies machte die Montage unmöglich, da der Lenker einfach nicht rund war.
Die Lösung war dann doch recht offensichtlich. Es hieß die K-Edge Halterung mit dem Dremel zu bearbeiten und der Lenkerform anzupassen. Mittlerweile habe ich zwei Halterungen angepasst. Dabei hat sich für mich die folgende Reihenfolge der Arbeitsschritte herausgebildet.


1. Aufrauen der Eloxalschicht mit weichem Dremelaufsatz bei mittleren Umdrehungen (7-8)
Wie bei den weiteren Schritten werden beide Hälften der Halterung gleich bearbeitet.

Weicher Dremelaufsatz (rechts neu, links nach Benutzung)


2. Beschleifen mit einem harten Aufsatz bei mittleren Umdrehungen (7-8)
Hierbei sollte man mit gleitenden Bewegungen arbeiten, um zu vermeiden, dass Kanten entstehen. Zudem muss mehr Material in Richtung der Lochbohrungen entfernen werden und quasi nichts in der Rundung der Halterung (die ja später an der runden Ober- bzw. Unterseite des Lenkers aufliegt). Der Übergang sollte fließend sein.

Harter Dremelaufsatz


3. Probieren, ob ausreichend Material entfernt wurde.
Sobald man die Halterung etwas beschliffen hat, sollte man testen, ob sie schon passt. Es reicht natürlich aus, die obere und untere Hälfte hier einzeln an den Lenkern zu halten. Außerdem kann es durchaus sein, dass man die Halterung GEFÜHLVOLL auf den Lenker drücken muss – auch bei mir sitzt die eine Halterung recht stramm. Falls es einfach noch nicht passen will, heißt es zurück zu Schritt 2. Schleifen und Testen sollten sich am besten abwechseln, sodass man sich Schritt für Schritt vorarbeitet. Wenn nur noch ein wenig fehlt, kann man auch wieder zum weichen Dremelaufsatz wechseln und niedrige Umdrehungen verwenden.

4. Die Halterung anpassen.
Sobald beide Hälften im Groben passen, kann man die Halterung an den Lenker schrauben. Also werden die beiden Schrauben einfach wie üblich abwechselnd und gleichmäßig angezogen. Bevor man die Schrauben fest anzieht (2 Nm max.), sollte man den Garmin einrasten – nur so kann man die ideale Höhe erkennen. Oft ist nun aber die Halterung schief – horizontal betrachtet. Das sieht nicht nur uncool aus, sondern ist auch schlecht, wenn man z.B. seine GoPro an der Unterseite befestigen will. Es ist wahnsinnig schwierig, die K-Edge Halterung so zu beschleifen, dass sie 100% gerade sitzt. Hier hilft es einen dünnen Streifen Lenkerband erst einzulegen und dann einzukleben. Dieser muss ungefähr halb so breit wie die Halterung sein. Ich benutze Lenkerband von Lizard Skin, da es zum Rand hin dünner wird und man so die Neigung leichter anpassen kann. Man legt ihn entweder auf die Seite die zum Vorbau zeigt oder auf der anderen Seite ein – je nachdem wohin die Halterung sich neigt. Oft reicht es aus diesen Streifen nur an der unteren Hälfte der Halterung einzulegen. Sobald alles passt, kann man den Streifen mit Sekundenkleber fixieren und die Halterung festschrauben. Ich benutze auch noch reichlich Carbonmontagepaste, damit alles bombensicher hält. Außerdem verhindert dies die Korrosion des nackten Aluminiums.

Alternativen und Dinge, die es zu beachten gilt.
Nur Garmin Halterungen die mit 2 Schrauben befestigt werden, lassen sich auf diese Art und Weise an einen Aerolenker anpassen. Schließlich braucht man den vertikalen Spielraum der Schrauben zum anpassen. Natürlich muss die Halterung auch massiv gefertigt sein – eine CNC ausgefräste, wie z.B. von ROTOR, sollte man nicht noch weiter bearbeiten.
Natürlich beendet die Bearbeitung einer K-Edge Halterung mit einem Dremel den Garantieanspruch – eigentlich klar, aber das gute Stück ist ja an einem Aerolenker ohne Anpassung nutzlos. Der ganze Prozess kann eine harte Geduldsprobe sein, insbesondere die horizontale Anpassung. Es gibt mittlerweile auch Halterungen, die direkt an den Vorbau geschraubt werden, um dieses Problem zu lösen. Enve bietet eine für ihren Carbonvorbau an und auch Tune hat eine im Sortiment. Dieses sind allerdings Vorbau-spezifisch. Ferner ist auch nicht möglich hier eine GoPro zu befestigen. Außerdem gibt ist es auch Aerolenker wie z.B. von 3T, deren Mittelteil breit genug ist, um einfach eine Garminhalterung anschrauben zu können.
Bitte denkt immer an eure Sicherheit beim Arbeiten. Ich benutze bei der Arbeit mit dem Dremel immer eine Schutzbrille und Handschuhe, sowie eine Atemschutzmaske. Schließlich entsteht hier feiner Aluminiumstaub, den man nicht einatmen will.


Euch allen viel Erfolg mit eurem Aerocockpit und auf Strava! Wir sehen uns :)



Samstag, 15. Oktober 2016

Pictures of the month 2

Photo: Velox Berlin

Photo: Velox Berlin



Photo: OSC Cyclingteam Potsdam

Photo: Martin Peters (BRC Endspurt)

Photo: Martin Peters (BRC Endspurt)

Donnerstag, 13. Oktober 2016

One bike to rule them all!

Nowadays there is a bike for everything. We buy Gravel, Cyclocross and Road Bikes, since we want to ride the whole year around. Whereas many of us posses various bikes, beginners face a tough choice: Which bike should I buy? Especially if you are on a tight budget this decision takes a lot of pondering.

By this spring, I had managed to motivate a good friend of mine to start cycling. Unexperienced, her requirements for the first bike were simple. She wanted a fast ride for the street and for cross country. Moreover, the bike should be suitable for long tours, so it should come with mounting points for  a rack and mudguards. Naturally, it should be a durable quality build – all for no more than 1000€.

Taking all this into consideration it became clear that the new bike would be an Allroad Bike, also called Gravelgrinder – boasting mechanical disc brakes and a comfort-orientated Sport Geometry. There are few companies on the market that offer a quality bike at this price point. Planet X offered the best value-for-money here: Its London Road model is praised on their homepage as a "Do It All Commuter". Whence, the bike did fit the bill perfectly. A single bike to ride fast on the road as well as through fields and woods, all while offering comfort for bike traveling. Complete models are available for a breathtaking 1000 to 1200€, even without a sale on. However, we figured out an even better deal: As the frame was on sale for just over 200 quid, it seemed possible to build a complete bike for even less money! Admittedly only thanks to the stock of components which I have been collecting over the years. In the end, the bike owned us 810€ – including second hand bottle cages, pedals and computer. Naturally, it is a one of a kind example. But look for yourself, here is the complete list of parts.

Frameset: Planet X London Road (Blue Dragon) 217,00 Euro
Framematerial: Aluminum 6061, Forkmaterial: Aluminium and carbon
Headset: FSA Orbit Carbon 49,90 Euro
Cable Guide: 5 Euro
Derailleur-clamp:  Red 10,90 Euro
Rear Derailleur: Shimano 105 5700 25,00 Euro (or Shimano Dura Ace 7900 free)
Front Derailleur: Shimano Dura Ace 7800 free
STI: Shimano Dura Ace 7800 free
Brakes: Avid BB7 99,80 Euro
Cassette: Shimano Ultegra 6600 14-27 free
Chain: Shimano Ultegra 6700 19,00 Euro
Wheelset: Ambrosio Varo Disk 130,90 Euro
Tires: Ritchey Comp Speedmax 29,80 Euro
Crankset: Shimano 105 5700 64,70 Euro
Chainrings: Rotor Non Q Rings 50, 34 free
Bottom braket: KCNC Red free
Handlebars: Pro LT compact 31,8 26,90 Euro
Stem: KCNC Fly Ride 29,90 Euro
Bartape: Planet X Contrast Stitch 15 Euro
Saddle: Brooks B17 present
Seat post: Rose Xtreme free
Cables: Jagwire 26,90 Euro
Frame protectors: 23,90 Euro
Pedals: Shimano XT dual use free
Bottle cages: New Ultimate free
Computer: Polar CS100 free

Some impressions of the building process:

Fresh out of the box.

Mounting of the headset and fork.

Cutting the steerer tube using a Syntace Speed Cutter.

Enough spacers for height adjustment.

Fitting the bottom bracket with grease.

Blood, sweat and tears – it fits!

Mounting the brake discs with a torque wrench.

Tuned Dura Ace rear derailleur.

Fitting a KCNC front derailleur clamp.

Crepe paper and gripper paste compensates for loose tolerances.

Mounting the brakes requires some patience.

Fitting and cutting the cables is quite easy.

The result: 9,4kg!

The example of this custom bike shows clearly that it can be worth building you own bike. Companies like Planet X offer framesets at incredibly low prices when on sale – from TT to titanium Cyclocross Bike. If you have boxes full of parts, as in our case components and drive train parts, you can save an awful lot of money. It is advisable to use tuning parts from one brand only, as this ensures a uniform colour. Currently, the best option is KCNC. They have a huge range – from bolts to small parts. Furthermore, the KCNC stuff is ridiculously light and great value-for-money. Moreover, we mainly used products from the brand's lower priced line. Once again it showed that you can mix various Shimano 10speed components – extremely helpful if you are on a budget. Finally, the build proved that even heavily used componentry can be reconditioned and given a new lease of life.

I hope you enjoyed the little insight into the birth of one custom bike. I'm looking forward to hearing from you.